Die Agglomeration Freiburg verabschiedet sich und zieht Bilanz über fast zwanzig Jahre regionaler Zusammenarbeit
Die 2008 vor dem Hintergrund eines starken Siedlungswachstums gegründete Agglomeration Freiburg steht kurz vor ihrer Auflösung. Als wegweisende Struktur aufgrund des umfassenden regionalen Zusammenwirkens, das sie zwischen den Mitgliedgemeinden etabliert hat, ermöglichte sie fast zwanzig Jahre lang die Koordinierung der Raumentwicklung auf regionaler Ebene, die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden, die Umsetzung zahlreicher Infrastrukturprojekte dank umfangreicher Bundesmittel sowie die Förderung der regionalen Kultur und Wirtschaft. Indem sie die «Röstigraben-Barriere» überwunden hat, hat sie es ermöglicht, die Gemeinden Avry, Belfaux, Corminboeuf, Düdingen, Fribourg, Givisiez, Granges-Paccot, Marly, Matran und Villars-sur-Glâne um eine gemeinsame Vision innerhalb einer Struktur zu vereinen, die im Alltag die demokratischen Werte und den Dialog zwischen den Gebieten verkörpert.
__________________________
Eine neue Art, das Gebietsmanagement zu denken und zu gestalten
Die letzten zwanzig Jahre waren von einem starken urbanen und demografischen Wachstum geprägt, wodurch die Gemeinden der Agglomeration mit Entwicklungsherausforderungen konfrontiert wurden, die nicht mehr allein auf kommunaler Ebene bewältigt werden konnten. Zwischen 2008 und 2024 stieg die Einwohnerzahl der zehn Gründergemeinden von 72’625 auf 87’460, was einem Wachstum von über 20 % in sechzehn Jahren entspricht. Angesichts dieser raschen Entwicklung des Siedlungsraums wurde die Notwendigkeit, sich zusammenzuschliessen und gemeinsam zu planen, offensichtlich, was zur Gründung der Agglomeration Freiburg führte.
Eine vereinigende Wirkung und fast 20 Jahre Projektarbeit
Seit fast zwanzig Jahren engagiert sich die Agglomeration für die Entwicklung innovativer Projekte, die den Herausforderungen einer sich wandelnden Welt gerecht werden – sei es in den Bereichen Mobilität, Siedlungsentwicklung oder Biodiversität – sowie für die Förderung der regionalen Wirtschaft und Kultur, insbesondere im Hinblick auf den Nachwuchs. Im Rahmen von fünf aufeinanderfolgenden Generationen von Agglomerationsprogrammen (AP1 bis AP5) hat sie eine echte interkommunale Planung etabliert, die es ermöglichte, die Bedürfnisse der Bevölkerung vorauszusehen und gleichzeitig den Gemeinden dabei zu helfen, Fördermittel für die Umsetzung von Infrastrukturprojekten zu erhalten, von denen die gesamte Region profitiert. Darüber hinaus haben die Erfolge der Agglomeration Freiburg dazu geführt, dass sich über die zehn Gründergemeinden der Institution hinaus ein Zusammenschluss gebildet hat: Nicht weniger als 25 Gemeinden haben an der Umsetzung des Agglomerationsprogramms der fünften Generation (AP5) mitgewirkt – eine historische Premiere im Kanton Freiburg – und fast 10 weitere Gemeinden ausserhalb der Agglomeration haben neben den Mitgliedgemeinden regelmässig regionale Kulturvereine mitfinanziert. Als wahrer Höhepunkt von fast zwanzig Jahren regionaler Zusammenarbeit erhielt das AP5 im Juni 2026 zudem eine Bundeskofinanzierung in Höhe von 40 Millionen Franken, was die Qualität der gemeinsam von der Region geleisteten Arbeit belegt.
Eckdaten, die die langjährigen Erfolge im Dienste der Region veranschaulichen
In den vergangenen zwanzig Jahren hat die Agglomeration konkrete Verbesserungen für das tägliche Lebensumfeld der Bevölkerung erzielt. Im Folgenden möchten wir Ihnen einige Kennzahlen vorstellen, die die im Rahmen dieser aussergewöhnlichen Zusammenarbeit erzielten Erfolge veranschaulichen:
Agglomerationsprogramme (Siedlungsentwicklung, Mobilität, Natur und Landschaft)
Im Rahmen von fünf aufeinanderfolgenden Generationen von Agglomerationsprogrammen (AP1 bis AP5) ist es der Agglomeration Freiburg gelungen, die räumliche Entwicklung auf regionaler Ebene zu koordinieren und umfangreiche Bundesbeiträge für die Realisierung von strukturbildenden Infrastrukturen zu erhalten. Eine Auswahl der dank der AP realisierten Projekte finden Sie auf der folgenden Website: https://projets.agglo-fr.ch/de/.
Die AP in Zahlen:
- 5 Generationen von Agglomerationsprogrammen über einen Zeitraum von 23 Jahren mit einer Vision bis zum Jahr 2040
- 515 Infrastrukturmassnahmen der Priorität A über die fünf Programmgenerationen hinweg, mit geschätzten Gesamtkosten von 799 Millionen Franken
- 136 Millionen Franken an Bundesbeiträgen, die für die Agglomerationsprogramme AP2 bis AP4 bewilligt wurden (indexiert und inklusive MWST). Hinzu kommen etwas mehr als 40 Millionen Franken für das AP5, womit die gesamte Bundeskofinanzierung über alle Programmgenerationen hinweg 180 Millionen Franken übersteigen wird
Öffentlicher Verkehr
Die Agglomeration hat eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des öffentlichen Verkehrs und der Mobilitätsinfrastruktur in ihrem Gebietes gespielt, um der raschen Siedlungsentwicklung und den neuen Mobilitätsbedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden.
- 4,6 Millionen jährlich von den Bussen zurückgelegte Kilometer gegenüber 2,7 Millionen im Jahr 2010 (+80 %)
- Mehr als 22 Millionen Fahrgäste im Jahr 2025 gegenüber 14,2 Millionen im Jahr 2008 (+65 %)
- 84’008 Einwohnerinnen und Einwohner in den Mitgliedsgemeinden werden im Jahr 2026 durch den öffentlichen Verkehr erschlossen
- 164 Millionen CHF an Abgeltungen für den Betrieb des städtischen Verkehrsnetzes der TPF während der zwanzigjährigen Existenz der Agglomeration, davon 14,4 Millionen CHF im Jahr 2026
- Auf den Hauptlinien wurde 2026 ein durchgehender 7,5-Minuten-Takt eingeführt, gegenüber einem 15-Minuten-Takt im Jahr 2009 – mit Ausnahme einzelner Linien im Stadtzentrum
- Erschliessung neuer Schlüsselgebiete durch das städtische Verkehrsnetz, darunter Düdingen, das MIC sowie die Gemeinden Corminboeuf und Givisiez;
- Vollständige Elektrifizierung der Linie 4 im Jahr 2022 und Umstellung auf Trolleybusse mit Batteriebetrieb (TBB); mit dem AP5 wird dieser Wandel fortgesetzt, mit dem Ziel einer vollständig dekarbonisierten Stadtbusflotte bis 2032.
Langsamverkehr und motorisierter Individualverkehr (MIV)
Die Agglomeration Freiburg hat durch den Aufbau eines ausgedehnten interkommunalen Radwegenetzes ebenfalls massgeblich zur Entwicklung der sanften Mobilität auf regionaler Ebene beigetragen. Als wahres Aushängeschild dieser Vision ist die TransAgglo heute eines der bedeutendsten Symbole der regionalen Zusammenarbeit. Dieses 33 km lange, strukturierende Netz für den Langsamverkehr - das Düdingen mit Avry und Marly mit Belfaux und Corminboeuf verbindet -, das über viele Jahre hinweg entwickelt und in 70 Projekte unterteilt wurde, ist das Symbol für die Massnahmen der Agglomeration, die Gemeinden durch ein ausgedehntes Netz für sanfte Mobilität zu verbinden, das das Zu-Fuss-Gehen und das Radfahren fördert.
- 33 km TransAgglo, davon heute bereits 24 km bestehend oder in Aufwertung begriffen, aufgeteilt in rund 70 Einzelprojekte
- Ein leistungsfähiges Velonetz, das die zehn Mitgliedgemeinden der Agglomeration durchquert und dank dem AP5 künftig über den ursprünglichen Agglomerationsperimeter hinaus erweitert wird
- 63 PubliBike-Stationen im Jahr 2026 gegenüber 8 Stationen im Jahr 2011, als die Zusammenarbeit zwischen der Agglomeration und PubliBike begann;
- Zahlreiche Velostationen, Bike+Ride-Anlagen und gedeckte Velounterstände wurden während zwanzig Jahren geschaffen, um dem starken Wachstum des Veloverkehrs Rechnung zu tragen.
Für den MIV
- 9 neue P+R-Parkplatzanlagen zwischen 2008 und 2026
- 808 P+R-Parkplätze in der Freiburger Agglomeration und bald 871 im Jahr 2028
Wirtschaftsförderung
Die Agglomeration Freiburg hat durch verschiedene Massnahmen zur Wirtschaftsförderung und zur Unterstützung regionaler Akteure sowie zur Ausstrahlung und wirtschaftlichen Attraktivität der Region beigetragen. Durch die Unterstützung und Begleitung von Unternehmen sowie die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und den Wirtschaftspartnern hat sie zur Entwicklung einer kohärenten regionalen Vision und zur Aufwertung der Dynamik im Grossraum Freiburg für Unternehmen beigetragen.
- 10 KMU-Preise, die zwischen 2017 und 2025 vergeben wurden, davon 5 an KMUs und 5 an Kleinstunternehmen/Handwerksbetriebe;
- 10 Wirtschaftstreffen, wurden zwischen 2016 und 2025 organisiert;
- 10 Unternehmen, die bei der Umsetzung eines Mobilitätsplans sowie bei der Nutzung von JobAbo-Abonnements für den öffentlichen Nahverkehr unterstützt wurden;
- 40 Unternehmensberatungen pro Jahr, d. h. etwa 800 Unternehmen in den zwanzig Jahren des Bestehens der Agglomeration;
- Jährliche Durchführung einer Studie zum sozioökonomischen Profil der Region, um Unternehmen und Gemeinden zu informieren.
Kulturförderung
Über die raumplanerischen Herausforderungen hinaus hat die Agglomeration Freiburg auch eine wichtige Rolle bei der Förderung des regionalen Kulturlebens und der Stärkung des kulturellen Angebots in der Agglomeration gespielt:
- 2,39 Millionen Franken an Kulturfördermitteln im Jahr 2025 gegenüber 1,09 Millionen Franken im Jahr 2009 (+119 %)
- Insgesamt 36 Millionen Franken in den 20 Jahren des Bestehens wurden ausgezahlt
- 324 Kulturvereine wurden zwischen 2008 und 2026 finanziell unterstützt und begleitet
- 6 Kulturpreise für Nachwuchskünstler, die zwischen 2020 und 2025 verliehen wurden
Ein Vermächtnis, das an die ARS und Arcia weitergegeben wurde
Wie im neuen kantonalen Agglomerationsgesetz (LAgg) vorgesehen, das seit 2021 in Kraft ist, muss die Agglomeration Freiburg nun ihren Platz neuen Strukturen überlassen, die die Aufgaben von regionalem Interesse übernehmen sollen, die die Agglo fast zwanzig Jahre lang wahrgenommen hat. Die Aufgaben im Bereich der Raumentwicklung werden von der Association régionale de la Sarine (ARS) übernommen, die bereits 2025 die Verantwortung für die Tourismusförderung übernommen hatte. Die ARS wird somit die von der Agglomeration begonnene Arbeit fortsetzen und die Raumentwicklungsplanung im Kantonszentrum sowie mit allen Gemeinden des Bezirks Saane, aber auch darüber hinaus sicherstellen. Die Zusammenarbeit wird insbesondere mit den Gemeinden des Sensebezirks und den anderen regionalen Partnern im Rahmen der Agglomerationsprogramme und anderer interregionaler Aufgaben fortgesetzt.
Die Kulturförderung wird hingegen von Arcia übernommen, dem neuen regionalen Kulturverband, dessen Gründung für Anfang 2027 vorgesehen ist.
Ein Ende, das den Beginn einer vielversprechenden neuen Zusammenarbeit markiert
Auch wenn sich die Agglomeration Freiburg nun verabschiedet, wird die Dynamik, die sie ausgelöst hat, durch die Projekte, Kooperationen und Strukturen, zu deren Entstehung sie beigetragen hat, weiterwirken. Sie hinterlässt weit mehr als nur ein institutionelles Erbe: eine gemeinsame Vision für die Region, eine Kultur des regionalen Dialogs und die Grundlagen für eine Zusammenarbeit, die sich für künftige Generationen fortsetzen wird.
Die Agglomeration Freiburg wird bis Ende 2026 in eine Phase der Abwicklung der laufenden Geschäfte eintreten, um einen reibungslosen und harmonischen Übergang bis zu ihrer offiziellen Auflösung zu gewährleisten.